Ein Zimmer für Ingeborg Bachmann

„Der schönste Sommer meines Lebens“ *

Der feierliche Einzug des weltliterarischen Geistes in die Schlossräume des Gailtalmuseums anlässlich der Eröffnung des Raumes für Ingeborg Bachmann war ein besonderer Höhepunkt des Kultursommers.

Wandvitrine mit persönlichen Gegenständen aus dem Nachlass. kärnten.museum/Ingeborg Bachmann Haus Klagenfurt
Foto Hans Jost

„Ein beeindruckende Performance bei der szenischen Lesung aus Ingeborg Bachmanns Kriegstagebuch zeigten die beiden Theater- und Filmschauspieler Sabine und Michael Kristof-Kranzelbinder in Verbindung mit der überzeugenden Tänzerin, Choreografin und Tanzpädagogin Leonie Humitsch und der gekonnten musikalischen Begleitung des österreichischen Jazz-Musikers Benny Omerzell am Keyboard.

Der Briefwechsel zwischen Ingeborg und ihrem Verehrer Jack Hamesch kurz nach Kriegsende ab 1945, mit der Kernaussage „Das ist der schönste Sommer meines Lebens“ ist beim begeisterten Publikum angekommen wie eine Live-Sendung, als ob die berühmte Literatin im Raum anwesend gewesen wäre.“ Das berichtet Hans Jost für das Gailtaljournal.

Musiker Benny Omerzell, Mag.a Martina Stermitz, MMag.a Brigitte Winkler-Komar, Schauspielerin Sabine Kristof-Kranzelbinder, Mag.a Katharina Herzmansky, Schauspieler Michael Kristof-Kranzelbinder, BH Dr. Heinz Pansi, LAbg. Stefan Sandrieser, Tänzerin Leonie Humitsch, Bgm. DI Leopold Astner, Stadtrat Mag. Karl Tillian
Foto Hans Jost
Foto Hans Jost

https://gailtal-journal.at/leute/der-schoenste-sommer-meines-lebens

Ingeborg 1945 im „Vorhangkleid“ Foto: Fotoatelier Tollinger, Brigitte Rumpf, Klagenfurt

Ingeborg Bachmann, geboren 1926 in Klagenfurt, gestorben 1973 in Rom, zählt zu den bedeutendsten Autor:innen der europäischen Literatur nach 1945. Ihr Werk ist wie kaum ein zweites mit dem Anspruch einer neuen und wahrhaftigen Sprache verbunden, einer Sprache, die den herrschenden Verhältnissen auf den Grund geht und gleichzeitig Möglichkeiten zu deren Veränderung eröffnet.

Väterlicherseits stammte Ingeborg Bachmann aus dem Kärntner Gailtal. Die Sommermonate verbrachte sie vielfach am großelterlichen Tobaihof in Obervellach bei Hermagor, wo der Vater eine Zuhube bzw. ein kleines Sommerhaus besaß. In ihrem literarischen Werk nimmt die Autorin auf den Ort und die Dreiländerregion vielfachen Bezug, so beispielsweise in der Jugenderzählung „Das Honditschkreuz“ (1943), im „Kriegstagebuch“ (1944/1945) oder in dem Gedichtzyklus „Von einem Land, einem Fluß und den Seen“ (in: Anrufung des Großen Bären, Piper 1956). In der Prosa-Skizze „Biographisches“ aus dem Jahr 1952 bringt Ingeborg Bachmann ihr Bewusstsein von Grenzen – und damit auch die Sehnsucht nach deren Überwindung – mit der Herkunft aus dem Gailtal in ursächlichen Zusammenhang.

Vor diesem Hintergrund sowie aus Anlass des 100. Geburtstagsjubiläums von Ingeborg Bachmann im Jahr 2026 widmet das GailtalMuseum in Kooperation mit dem kärnten.museum/Ingeborg Bachmann Haus Klagenfurt der berühmten Schriftstellerin einen eigenen Ausstellungsraum. Objekte aus der Sammlung Ingeborg Bachmann des Landes Kärnten/kärnten.museum sind, begleitet von Text- und Bilddokumenten, in ständiger Schau zu sehen. Ergänzt durch Faksimiles aus dem literarischen Nachlass der Autorin an der Österreichischen Nationalbibliothek gibt die Ausstellung Einblick in die Gailtaler Herkunftswelt ebenso wie in zentrale Aspekte von Leben und Werk Ingeborg Bachmanns. In Verbindung mit der Ingeborg Bachmann Kuppel des Künstlers Armin Guerino, die vor dem GailtalMuseum zu sehen ist, setzt die Ausstellung ein dauerhaftes Zeichen der Würdigung der Schriftstellerin im Gailtal und darüber hinaus.

Katharina Herzmansky, Kuratorin Ingeborg-Bachmann-Haus Klagenfurt

* Ingeborg Bachmann, Kriegstagebuch, 1945 (©Suhrkamp 2010)

https://www.austria.com/artikel/ingeborg-bachmann-raum-im-gailtal-museum-eroeffnet/10019751