Sprachinselfreunde zu Gast im GailtalMuseum

Wir freuten uns sehr über die Gäste aus den Sprachinseln. Velia Plozner aus Timau/Tischlbong kam mit dem Coro und der Kindertanzgruppe Is Guldana Pearl / Das goldene Bärchen. Aus Plodn/Sappada waren Marcella Benedetti (Kulturverein/Associazone Plodar) und Stefania Piller/Hoffer (Assessorin der Comune) anwesend. Auch konnten wir unsere Partner vom Kanaltaler Kulturverein mit Obmann Alfredo Sandrini aus Tarvis sowie die Vertreterin des „Zahrar Kulturzirkuls“ Lucia Protto aus Sauris begrüßen. Schließlich beehrte uns Otto Tripp mit Gattin, er ist Obmann der Gottscheer Landsmannschaft in Klagenfurt. Furio Treu war aus Triest gekommen und Ernesto Liesch als Vertreter der Faro-Convention aus Udine.

Das GailtalMuseum wird damit zur einer Anlaufstelle und Plattform für die Dokumentation der Sprachinsel-Kulturen und wir freuen uns auf weiter Treffen. Wir bedanken uns sehr herzlich für die dargebrachten und liebevoll zusammengestellten Geschenke aus den Sprachinseln.

Hans Jost hat den Abend SO zusammengefasst: Das deutschsprachige Eröffnungslied „Am Brunnen vor dem Tore“, vorgetragen vom Gemischten Chor Timau/Tischlbong, wurde vom Publikum als ganz besondere Wertschätzung empfunden und mit entsprechendem Applaus quittiert. Mit leidenschaftlicher Zustimmung aufgenommen wurden auch die Tanz-Vorführungen des Guldanan Pearls aus Timau.

Einen kurzen historischen Rückblick über die Entstehung der Sprachinseln und über den Sprachinsel-Verein lieferte Vereins-Vorsitzende Ingeborg Geyer in ihrem Referat, wobei sich durch die berufliche Querverbindung zu Museums-Kustos Siegfried Kogler noch eine zusätzliche überaus wertvolle Komponente zur Installation und weiteren musealen Pflege der Sprachinsel-Kulturen im GailtalMuseum gezeigt hat. Geyer: „Wir wünschen uns, dass die heutige kulturelle Saat in den nächsten Jahren im Dreiländereck Kärnten-Friaul-Slowenien in Form von weiteren Treffen und gemeinsamen Aktivitäten gut gedeihen möge.“
Mit dabei auch Stadtrat Karl Tillian, Borg-Direktor Andreas Schuller, Universitäts-Professoren Peter Jordan und Christian Pongratz, die Gailtaler Künstler Herbert Unterberger und Herta Hofer, Literatinnen Claudia Rosenwirth und Irmi Janschitz,
Christian Essl, Kurt Thelesklaf, Helmut Haas u.v.a.

Was sind Sprachinseln? Sprachinseln sind punktuell oder flächenhaft auftretende, relativ kleine geschlossene Sprach- und Siedlungsgemeinschaften in einem anderssprachigen größeren Gebiet. Warum gibt es Sprachinseln? Von Österreich aus wurden wesentlich mehr Sprachinseln in Nachbarländern gegründet als von allen anderen deutschsprachigen Ländern. Verantwortlich dafür waren die Lage im Südosten, herrschaftliche Besitzverhältnisse, politische und religiöse Fragen, Gründer- und Pioniergeist sowie wirtschaftliche Interessen (Bergbau und Rodungen). Die ältesten österreichischen Sprachinseln aus der Zeit um 1100 sind die so genannten zimbrischen Inseln der Sieben und Dreizehn Gemeinden in den Provinzen Vicenza und Verona. Aus dem 13. Jahrhundert stammen die friaulischen Inseln in der Provinz Udine Plodn/Sappada, Zahre/Sauris und Tischlbong/Timau, sowie das Fersental im Trentino. In Slowenien zählten Zarz (Sorica) und Rut zur älteren Gruppe, Gottschee (Kočevje) zu jener aus dem 13. Jahrhundert. Wegen ihres protestantischen Bekenntnisses wurden die so genannten Landler im 18. Jahrhundert in das heutige Rumänien gebracht. Vor 400 Jahren verließen die Hutterer als Täufergemeinschaft ihre ursprüngliche Heimat im Pustertal und in Oberkärnten und haben in Amerika ihre Sprache (altes österreichisches Deutsch) bis heute erhalten. In anderen Fällen wurden Siedler von fremden Behörden angeworben, so etwa im Falle von Deutsch Mokrain den Waldkarpaten in der heutigen Westukraine oder Pozuzo u. a. in Südamerika.